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TOO BIG TO FAIL

 

XXXLutz- Mein Möbelhaus

 

ECHT CLOPPENBURG?

 

HFB-19-03-09

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Wer will wen vor Konkurrenz schĂŒtzen? Das ist die Frage zur geplanten Ansiedlung des gigantischen Möbelzentrums XXXLutz im westlichen Teil von Cloppenburg. Nachdem der Wunsch des Unternehmens bekannt geworden ist, gibt es Kritik aus den RathĂ€usern umliegender Gemeinden. Die jeweiligen Wirtschaftsstandorte fĂŒhlen sich bedroht. Zu Recht oder zu Unrecht? Das ist eine weitere Frage, die sich Betroffene und Beobachter der Szene nun stellen können. Denn voll zufrieden mit den Dingen, die da kommen sollen, ist wirklicher niemand.

 

Die Presse aber neigt zu Statements von der Stange. Nach dem Credo „LĂ€stere nicht ĂŒber die totale Markwirtschaft“ oder „Ermahne UnglĂ€ubige zur mehr Sachlichkeit“ bekommen die Kritiker das „Fegefeuer“ empfohlen. Das ist enttĂ€uschend, zumal ĂŒber gravierende Details zu berichten wĂ€re. Am Ende bleibt der Kommentar eines ausgewiesenen Kirchturmspezialisten, der nun seinerseits „pure Kirchturmpolitik“ wittert. Bei vollem GlockengelĂ€ute fĂŒr eine naive Werteorientierung, wobei die Leser fĂŒr dumm verkauft werden.

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MT, 01.03.2019

Ob Vechta ,Werlte ,Friesoyther oder Garrel: Alle diese Orte mĂŒssen Konkurrenz fĂŒrchten. Von einem Möbelimperium, welches bereits mit 44 Filialen Fuß in Deutschland gefasst hat und im Großraum Bremen seinesgleichen sucht. Cloppenburg winken fette Gewerbesteuern, in den ĂŒbrigen Gemeinden die RĂŒckgĂ€nge derselben.

SelbstverstĂ€ndlich gibt es ein betriebseigenes Gutachten. Das testiert der geplanten Ansiedlung  die uneingeschrĂ€nkte VertrĂ€glichkeit. Denn wer sich am Standort Cloppenburg fĂŒr eine Unternehmensansiedlung bewirbt, erstellt zuvor ein eigenes. Ist das positive Gutachten in eigener Sache erst geschrieben, kann es in großen Teilen vom Landkreis ĂŒbernommen werden. Ergebnis: „Erhebliches Versorgungsdefizit im Möbelsegment“! Was auch sonst!

Warum auch sollte sich die Behörde den Gesetzten des freien Marktes widersetzen? Beleben diese doch die Konkurrenz zur großen Freude aller potenziellen Kunden. Kritik unerwĂŒnscht. Kirchturmdenken, Abschottung, Widerstand der ewig gestrigen ebenfalls. Es ist wie es ist. Der Markt bestimmt. Gegner soll und darf es nicht geben.

Wenn es angeblich nicht Ziel sein soll, MöbelhĂ€user in der Umgebung zu schĂŒtzen, wozu soll die Stadt Cloppenburg dann noch „Pflöcke setzen per Bebauungsplan“? Pflöcke, die von den WĂŒnschen der Investoren nur noch einen Bruchteil ĂŒbrig lassen? Wer glaubt, BebauungsplĂ€ne könnte das bewirken, der irrt. Politik wird sich der Marktmacht nicht widersetzen wollen.

Verwiesen sei z.B. auf das relativ neue Kaufland. Gegen heftige WiderstĂ€nde in der Öffentlichkeit hat die Politik den WĂŒnschen der Investoren nachgegeben. Gleichzeitig wurde viel versprochen. Hat dieses Unternehmen die Kaufkraft des Umlandes zurĂŒck nach Cloppenburg geholt? Sich und Cloppenburg also vor „Konkurrenz geschĂŒtzt“? Wohl kaum.

FĂŒr die Menschen in Molbergen, Cappeln oder Emstek sind die EinkĂ€ufe am eigenen Wohnort inzwischen bequemer als nervige Extratouren nach Cloppenburg. In der Kreisstadt fallen verkehrsbedingte Staus ins Auge, ausgewiesen teure ParkgebĂŒhren und demnĂ€chst auch Sanduhren, die in Spitzenzeiten nichts wert sind. Also „Echt Cloppenburg“ im marktwirtschaftlich abgehĂ€ngten Sinne!

Lieber dort einkaufen, wo es bequemer ist. Also nicht unbedingt in der hektischen Kreisstadt. Die Cloppenburger Verkehrspolitik von CDU und SPD machte es mit den erhöhten ParkgebĂŒhren wieder attraktiv, wohnortnah und entspannt einzukaufen. Fernab von Cloppenburg. Fernab der Versprechen von Politikern und Investoren.

Dann wird ins Feld gefĂŒhrt, dass der Internethandel eine ernstzunehmende Konkurrenz sei, der man entgegentreten mĂŒsse. Das ist korrekt Die fĂŒhrenden Anbieter dort zahlen so gut wie keine Steuern. Zudem legt die Berliner KroKo auch keinen Wert auf Steuertransparenz. Den politisch gewollten Wettbewerbsvorteilen mĂŒssen die örtlichen HĂ€ndler schon selbst Paroli bieten. Ansonsten können sie alle einpacken.

Zum Überleben heißt es nun, mit attraktiveren Angeboten und Preisen das wett zu machen, was den Internetanbietern in z.T. ungerechtfertigter Art und Weise an Vorteilen geschenkt ist. Die Wettbewerbsverzerrungen können nicht offensichtlicher sein. Anders als bei diesen mĂŒssen örtliche Anbieter Ausstellungsartikel sowie AusstellungsrĂ€ume und das nötige Beratungspersonal vorhalten. Damit fallen zusĂ€tzliche Investitionen an, die den Internetanbietern erspart bleiben. Um weiterhin konkurrenzfĂ€hig zu sein, sind die Mittel an anderer Stelle einzusparen. Der Adressat ist dann –wie so oft- das Personal. Mit der Folge geringerer Löhne, kombiniert mit massiven Arbeitszeitverdichtungen.

Gleichzeitig stehen auf dem Arbeitsmarkt ausreichend viele ArbeitskrĂ€fte zur VerfĂŒgung. Aufgrund des Überangebotes bleibt das Prinzip von Angebot und Nachfrage ausgehebelt. Garniert mit dem Mantra des FachkrĂ€ftemangels. BegĂŒnstigt durch Migrationspakt und Einwanderungsgesetz fĂŒr FachkrĂ€fte. Von den Koalitionsparteien CDU und SPD favorisiert. Deutlicher kann das PlĂ€doyer fĂŒr Niedrigstlöhne und krassester Ausbeutung nicht ausfallen. Damit wĂ€re das Prekariat der Renten nur noch gestĂ€rkt. Auf Kosten der Steuerzahler. Von der SPD favorisiert. Bedingungslos gezahlt, falls die Renten zum Leben nicht reichen. In einer beschleunigten Endlosschleife. Ist es doch der politische Wille, die Löhne noch weiter zu deckeln, die Unternehmenssteuern zu senken und die Steuertransparenz völlig zu beerdigen. Unter Einsatz der politischen Nebelkerze “Sozial“!

Erinnert sei in diesem Zusammenhang an die historischen Thesen von Bernhard Mandeville (1670 -1733), einem der Vordenker der liberalen Marktwirtschaft. U.a. spricht er von der Neigung des Menschen zu MĂŒĂŸiggang und VergnĂŒgen. Um diese Neigungen erst gar nicht aufkommen zu lassen, empfiehlt er, den Menschen so zu entlohnen, dass er zwar gerade genug zu essen habe und nicht verhungern mĂŒsse, dass er aber gerade so bezahlt werde, dass er nicht sparen könne, um so in stĂ€ndiger Sorge um seine Existenz an nichts weiter denken könne. Liberalismus, so Mandeville erzwinge eine "minderbemittelt Masse von Menschenmaterial". So sollten diese arbeiten und nur so viel Bildung erhalten wie eben notwendig (vgl. Kurz, Robert, Schwarzbuch Kapitalismus; Ein Abgesang auf die Marktwirtschaft, Eichborn 1999, S. 46 ff.).

Mag es auch noch so lange her sein. Die Mandevillschen Thesen zeigen erstaunliche Parallelen zur heutigen Zeit. Dumping nicht nur in der Fleischbranche oder bei minderbemittelten Renten. Selbst das aktuelle Bildungsideal ist davon betroffen. Heruntergefahren auf ein industrienormiertes Kompetenzwissen, welches die humboldtsche Qualifikation abgelöst hat. Hin zu einem unkritischen Menschen mit den Hang zu einer naiven Werteorientierung, fĂŒr den alles, was mit ihm geschieht, vom Himmel gefallen ist. Mit der Konsequenz, mit dem Denken aufzuhören, um das zu glauben, was von oben gekommen ist!

Am Ende dĂŒrfte es aber klar sein, dass das neoliberale Prinzip der Mandevillschen Marktwirtschaft nicht durch Verweigerungshaltung der Cloppenburger Verwaltung und Politik auszuhebeln ist. Noch immer gilt: „Too big to fail“! XXXLutz lĂ€sst sich nicht aufhalten. Auch die Folgen dieser Ansiedlung nicht: Eine Erweiterung nach dem Vorbild des Vechtaer Megazentrums an der Falkenrotter Straße, um auf Kurz oder Lang der Cloppenburger Innenstadt die ĂŒberlebensnotwendige Kaufkraft zu entziehen. Die Entwicklung lĂ€sst sich vor allem deshalb nicht aufhalten, weil die Berliner Bundespolitik ein System verteidigt, verwaltet und immer wieder hochhĂ€lt, welches gnadenlos ist.

Ein erster Schritt wĂ€re eine bedingungslose Analyse der VerhĂ€ltnisse, ĂŒber die alle nicht gerade glĂŒcklich sind. Doch die öffentliche Aufmerksamkeit wird immer wieder von den eigentlichen Problemen abgelenkt. Nur die BekĂ€mpfung von Symptomen fĂŒhrt nicht zum Ziel. Ob bedingungslose Renten, höhere Nominallöhne (nicht zu verwechseln mit Reallöhnen) oder „Mehr Netto von Brutto“: Die eigentlichen Probleme liegen woanders. Die Betroffenen mĂŒssten nur die richtigen Fragen stellen, um den Ursachen auf den Grund zu gehen. Doch die Politik und deren Basis tut alles, um diese Neigung erst gar nicht aufkommen zu lassen. Denn jenseits der Symptome will die Politik nicht ansetzen. Somit bleibt alles beim Alten.

Das klappt, solange die Geplagten annehmen, der ganze Schlamassel sei vom Himmel gefallen. Alles geht unaufhaltsam weiter, solange der Echoraum krisenfeste KirchtĂŒrme bietet, an denen man sich festhalten kann. Den Kopf in den Sand gesteckt, bis schließlich keine Glocken mehr zu hören sind.

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