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Bar├čeler SPD hat Chance verpasst

Nils Anhuth kein CDU-Mitglied

Andere sollten sich sch├Ąmen

HFB-21-04-10

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ÔÇ×Sch├Ąmen Sie sich nicht?“ So war es in der Presse als Anmoderation eines Interviews mit dem Bar├čeler B├╝rgermeister, Nils Anhuth, zu lesen. (01) Abgesehen davon, dass der Startschuss der Anmoderation v├Âllig daneben ist, scheint es hier nach dem Austritt Anhuths aus der SPD wohl um einen zweiten Paukenschlag zu gehen, mit dem wiederum niemand gerechnet hat. Konkret angesprochen wird das ehemalige SPD-Mitglied, Nils Anhuth, der im Jahr 2014 von der Bar├čeler SPD erfolgreich als B├╝rgermeisterkandidat ins Rennen geschickt wurde. Vor der Kommunalwahl 2021 erh├Ąlt er pl├Âtzlich Unterst├╝tzung von der CDU-Fraktion im Rat der Gemeinde Bar├čel. Diese m├Âchte ihn auch weiterhin als B├╝rgermeister sehen, w├Ąhrend ihn die Bar├čeler SPD wohl erst gar nicht gefragt hat oder es auch nicht wollte. Muss sich Anhuth f├╝r seinen Austritt aus der SPD und die ├╝berraschende Unterst├╝tzung durch die CDU nun wirklich sch├Ąmen?

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ST-Auszug-MT-Anhuth-Umgang-von-Respekt-gepraegt-21-01

(03)

(02)

Dass Anhuth im Jahre 2019 aus der SPD austrat (04), ist sicher ein Grund f├╝r die allgemeine Aufregung, die mit dem wohl nicht selbstlosen Engagement der CDU einhergeht. Schlie├člich lassen sich B├╝rgermeisterkandidat*innen nicht so einfach aus dem Hut zaubern. Erinnert sei an das Kandidaten-Mobbing im Jahr 2014, als der CDU-Kandidat, Ludger Elsen, seine Kandidatur an den Nagel h├Ąngen musste. (05) Gleichzeitig wurde orakelt, ÔÇ×├ťber der CDU in Bar├čel scheint ein Fluch zu liegen. “ (06)

Selbst wenn Anhuth die SPD nunmehr doch ÔÇ×nur“ aus taktischen Gr├╝nden verlassen haben sollte und bereits lange zuvor mit der Unterst├╝tzung der CDU rechnen konnte, muss das nicht verwerflich sein. In der Politik gelten andere Werte als im privaten Bereich. Anhuths Markenzeichen ist, dass er erst gar nicht in die CDU eingetreten ist! Das h├Ątte ihm auch gar nicht gut gestanden. Denn wodurch unterscheiden sich CDU und SPD voneinander? Beiden tragen zwar ihre eigenen Schuhe, aber in der politischen Mitte treten sie sich –wie auch ein gro├čer Teil der ├╝brigen Parteien- nur noch gegenseitig auf die F├╝├če. In diesem Sinne d├╝rfte es wohl egal sein, ob Anhuth von der SPD oder CDU unterst├╝tzt wird.

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(07)

Die Frage, ÔÇ×Sch├Ąmen Sie sich nicht?“,ist an sich zwar nicht falsch gestellt, aber falsch adressiert. Zutreffender w├Ąre die Frage gewesen, wer sich eigentlich sch├Ąmen sollte. N├Ąmlich f├╝r das, was in der Kommunalpolitik, aber auch in der ├╝bergeordneten Politik der Bundesrepublik Deutschland Tag f├╝r Tag ├╝ber die B├╝hne geht, f├╝r die Anhuth eigentlich nicht verantwortlich sein kann. In der ├ľffentlichkeit wird es mittlerweile nur noch von wenigen bestritten, dass es mit der Politik nicht rund l├Ąuft. Gleichzeitig zeichnet sich ab, dass es um das Ansehen vieler Politiker nicht gut bestellt ist! Gemeint sind besonders diejenigen, die die ├ľffentlichkeit mit ihren penetranten Statements –von der Presse meist unwidersprochen- rund um die Uhr zum├╝llen. Quer durch die Talkshows der Republik verehrt das mediale Establishment diese f├╝r ihre vermeintlich so alternativlose Performance in Wirtschaft und Gesellschaft. Vor dem Hintergrund der ├╝berhitzten Scheinheilig der Akteure und ihrer abgehobenen Volksferne w├Ąchst die Politikverdrossenheit exponentiell. Unerfahrene und karriereorientierte Flachbretteinsteiger treiben die Erosion des politischen Vertrauens kr├Ąftig voran. Der Berufspolitiker Anhuth passte nie in diese Kategorie!

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(08)

Hier –wie nicht anders zu erwarten- die ├╝bliche So├če zum Austritt Anhuths aus der SPD. Instrumentalisiert f├╝r das Cloppenburger Familienunternehmen SPD. Wer sind denn nun genau die, die durch Anhuths Austritt entt├Ąuscht wurden? Ist es nur der SPD-Unterbezirksvorsitzende, Detlef Kolde, von dem man ansonsten nichts bis gar nichts h├Ârt? Gibt es eigentlich keine Entt├Ąuschung dar├╝ber, was die Bundes-SPD in Berlin fabriziert, wobei die Sozialdemokraten ihrem Abgrund gef├Ąhrlich nahe kommen? Ist das eigentliche Kernproblem verkannt? Muss Anhuth nicht auch ├╝ber die Ignoranz seines unmittelbaren Umfeldes bitter entt├Ąuscht sein? Warum wird nicht auch das journalistisch aufgearbeitet?

Anhuth ist aus der SPD aufgetreten und nennt hierzu Gr├╝nde. ÔÇ×Ich vollziehe diesen Austritt (…) nach der (…) fatalen Entscheidung (…), erneut in ein Regierungsb├╝ndnis der Beliebigkeit einzusteigen. Die SPD (…) ist beliebig geworden, ohne erkennbare Haltung, klare Linie und schon gar nicht mit einer klaren Alternative zu den anderen Parteien – vor allem zur Union.“ (09) Was zum Sch├Ąmen ist eigentlich nachvollziehbar daran, dass sein Parteiaustritt das Ergebnis einer ÔÇ×wohl├╝berlegten Abstimmung zwischen meinen politischen Werten und der Entwicklung meiner Partei in den vergangenen Jahren “ sei? (10)

Anhuths Austrittsbegr├╝ndung sollte eigentlich nachvollziehbar sein. Dennoch beschreibt sie nur das Symptom einer falschen Weichenstellung. Letztere wurde bereits etliche Jahre zuvor festgezurrt und wird bis heute in treuer Ergebenheit und ohne nennenswerte Kritik aus den Reihen der SPD-Mitglieder –zumeist in Unkenntnis ├╝ber die Ursachen der fatalen Auswirkungen- geduldet.

Wiederholt sei an die Agenda 2010 (11) erinnert, welche in den Jahren 2003 und 2005 von der Rot-Gr├╝nen-Bundesregierung ohne R├╝cksicht auf Verluste vorangetrieben wurde. Hierbei ging es u.a. um die ÔÇ×Reform“ des deutschen Sozialsystems und Arbeitsmarktes. Konkret wurden die L├Âhne gek├╝rzt, wobei von SPD-Kanzler, Helmut Schr├Âder, u.a. der gr├Â├čte Niedriglohnsektor Europas entstand. Gek├╝rzt wurden Arbeitslosengelder und Renten. F├╝r letztere galt ab dem Jahr 2005 die Besteuerung, wobei die maximale Rente sich zus├Ątzlich nach 40 Arbeitsjahren schrittweise reduzieren sollte. Obendrein wurde das Renteneintrittsalter von 65 auf 67 Jahre angehoben. Doch immer weniger Menschen erreichen mit diesem Alter das Ende ihres Berufslebens. Die Erfahrung zeigt, dass viele Menschen nur einen Teil des gesetzlichen Rentenanspruches erreichen. Das liegt u.a. an den derzeit ├╝blichen Teilzeitbesch├Ąftigungen, an den Erziehungszeiten, an den sozialabgabenfreien 450-Euro-Jobs (12) oder an ihrer mangelnden Gesundheit, die in vielen Berufen nicht bis zum gesetzlichen Renteneintrittsalter vorh├Ąlt.

 

 

Die Kluft zwischen Arm und Reich bleibt gro├č

                                                                 (13)

Die Folgen sind die fortschreitende Verarmung von Teilen der Gesellschaft. Damit einher geht die wachsende Altersarmut, da die Rentenanspr├╝che aufgrund der Erwerbsbiografien deutlich geringer ausfallen. Die aktuellen Corona-Ma├čnahmen werden das Problem weiter versch├Ąrfen. Da nutzt auch kein Gesundbeten der aktuellen Arbeitsmarktlage. Sobald die finanziellen ├ťberbr├╝ckungshilfen in Form des Kurzarbeitergeldes auslaufen, wird sich das wahre Ausma├č der Lage zeigen. Die Arbeitslosenzahlen werden –auch nach korrigierter Z├Ąhlweise- sprunghaft steigen und sobald nicht wieder sinken.

 

 

Die bitteren Folgen der Agenda 2010

                                                               (14)

Das sich anbahnende Desaster kommt also nicht aus dem Nichts. Es wurde von Rot/Gr├╝n im Jahr 2003 mit der Agenda 2010 initiiert und von der Schwarz-Roten-Regierung fortgef├╝hrt, wobei die Folgen nun aufgrund des Corona-Lockdowns wie ein Hammerschlag zu Geltung kommen. Es hilft nur vor├╝bergehend, wenn ungedeckte Steuergelder f├╝r Hilfsfonds verwendet werden, die zwar schnell an gro├če Unternehmen (15) flie├čen, aber keine Firmen oder Selbstst├Ąndige –wenn ├╝berhaupt- nur versp├Ątet erreichen. (16) Von der mitwirkenden SPD im Bund ist keine kritische Haltung zu erwarten, auch wenn SPD-Arbeitsminister, Hubertus Heil, immer wieder Verbesserung sozialer Schieflagen einfordert. Die gesetzlichen Ma├čnahmen (17),die hierzu auf den Weg gebracht werden, sind in der Regel nur unzureichend. Dass diese nur den Tropfen auf den hei├čen Stein darstellen, wollen die sozialpolitischen Marktschreier dann doch nicht wissen.

 

SPD: Der Absturz einer Volkspartei

                                                    (18)

 F├╝r die, die einen Kurswechsel der SPD gewartet hatten, war das Ende der Fahnenstange bereits vor dem Jahr 2019 erreicht. Nach der Urwahl der SPD-Vorsitzenden im selben Jahr (19) blieb nichts davon ├╝brig, was die gew├Ąhlten Kandidaten, Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans, gro├čspurig versprochen hatten. Die mit SPD-Kanzler Schr├Âder begonnen Talfahrt der SPD ging also ungeniert weiter und fand mit der Ernennung von Bundesfinanzminister, Olaf Scholz, zum SPD-Kanzlerkandidaten ihren vorl├Ąufigen H├Âhepunkt. (20)

Ohne die Ma├čnahmen zum Corona-Problem in Zweifel zu ziehen, muss im vorliegenden Zusammenhang auf den SPD-Gesundheitsexperten, Karl Lauterbach, eingegangen werden. Seine medial stets lautstark verbreiteten Extremhypothesen erwecken den Eindruck, Lauterbach ginge es ausschlie├člich um den Schutz des menschlichen Lebens, koste was es wolle. Das mag gut klingen. Ob er damit Recht behalten wird, sei dahingestellt. Aber wenn Lauterbach diese Botschaft suggeriert, so w├Ąre dennoch ihre Glaubw├╝rdigkeit zu hinterfragen. Diejenigen, die sich durch eben diese Botschaft beeindrucken lassen, sollten wissen, dass gerade der Berufspolitiker Lauterbach im Fahrwasser der Agenda 2010 entscheidend dazu beigetragen hat, das Gesundheitssystem der totalen Wirtschaftlichkeit unterzuordnen. Nunmehr galt die Wirtschaftlichkeit und nicht die Gesundheit als der zentrale Wert ├╝berhaupt.

 

 

Das Ende der ÔÇ×Barmherzigkeit der Intransparenz“

                                                        (21)

Lauterbach z├Ąhlt zu den V├Ątern der Fallpauschalen nach dem Motto: Mehr ├ärzte, weniger Pflegekr├Ąfte. Im konkreten Fall geht es seit 2003 darum, das Gesundheitssystem kosteng├╝nstiger zu gestalten. (22) Das aber hat sich inzwischen als Nachteil f├╝r Patient*innen erwiesen. (23) Vor allen hat die Agenda- ├ľkonomisierung zu massiven Krankenhausschlie├čungen gef├╝hrt. So werden auf dem Weg zur Schlie├čung Krankenhausbetten, u.a. auf Intensivstationen, dann stillgelegt oder abgebaut, wenn sie nach den Ma├čst├Ąben der Agenda 2010 wirtschaftlich nicht mehr rentabel sind.

In Deutschland wurden tausende von Intensivbetten stillgelegt, mehr als 10.000 Pflegekr├Ąfte sind ÔÇ×verloren gegangen“ und eine gro├če Zahl an Krankenh├Ąusern sind zumindest teilweise geschlossen worden. ÔÇ×Noch Ende Februar des vergangenen Jahres hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zu mehr Mut bei Krankenhausschlie├čungen geraten. Der Bundestagsabgeordnete Karl Lauterbach (SPD), u.a. langj├Ąhriges Aufsichtsratsmitglied der Rh├Ân-Kliniken, hielt 2019 einen Abbau der Kapazit├Ąten grunds├Ątzlich f├╝r richtig.“ (24) Diese Meinung hat Lauterbach bis heute nicht zur├╝ckgenommen. Deutlicher kann es nicht hervorstechen, dass es Lauterbach weniger um die Gesundheit der Menschen selbst als vielmehr um die Wirtschaftlichkeit des Gesundheitssystems geht. Die Priorisierung hat fatale Folgen, die verschiedene Kommunen demnach hart treffen k├Ânnen.

 

 

  Krankenhaussterben:

Ein weiteres Symptom fehlgeleiteter Gesundheitspolitik

                                                   (25)

 Was der SPD-Politiker, Karl Lauterbach f├╝r richtig h├Ąlt, h├Ątte Cloppenburg fast das Krankenhaus gekostet. Denn auch dieses ist dem Zwang der Wirtschaftlichkeit unterworfen. Ohne ├╝ppige Sonderzusch├╝sse in Millionenh├Âhe, sowohl von der Cloppenburger Politik (26), als auch vom Land Niedersachsen, w├Ąre vieles finanziell nicht leistbar und h├Ątte letztendlich zur Schlie├čung der Einrichtung f├╝hren m├╝ssen. Besonders zum Nachteil der ├Ąlteren Mitmenschen, die z.B. in Cloppenburger Seniorenheimen  –wie St.Pius Stift, Cura Vitalis, Alloheim etc. – leben.

 

 

Warum werden Pflegekr├Ąfte so schlecht bezahlt?

  (27)

Soweit so gut. Aber auf die Idee, mit den Zusch├╝ssen die Forderungen nach einer besseren Bezahlung f├╝r das hart arbeitende Pflegepersonal insgesamt zu verbinden, kommt die Cloppenburger Politik erst gar nicht. Schon gar nicht diejenigen, die sich das Soziale besonders gro├č auf ihre Fahnen geschrieben haben. Warum es bequemer ist, kommunale Steuergelder der B├╝rger*innen als freiwillige Leistungen einfach so, ohne weitere Bedingungen, durchzuwinken, erschlie├čt sich keinem wirklich ├╝berzeugten Sozialdemokraten. Das d├╝rfte auch Anhuth nicht ├╝berzeugen.

 

 

Braucht die SPD eine neue Definition von sozialer Gerechtigkeit?

                                                     (28)

Aber erst wenn ein Skandal daraus wird -nicht weil sie diesen aufgedeckt haben, sondern andere- werden auch sie, die Fahnentr├Ąger des Sozialen, ins Konzert der Kritiker einsteigen. Erinnert sein an die Aff├Ąre zur Unterbringung von Werksvertragsarbeitern in Cloppenburg. Angezeigt hatte diesen Missstand die Beraterin der nieders├Ąchsischen Beratungsstelle f├╝r mobile Besch├Ąftigte in Oldenburg, Daniela Reim. (29) Pl├Âtzlich schlossen sich auch die ├Ârtlichen Sprecher von SPD und GR├ťNEN dieser Kritik an, wobei das Problem f├╝r Cloppenburg gar nicht neu sein konnte. Nunmehr mit dem heuchlerischen Anspruch auf das Urheberrecht dieser Kritik und einer penetranten Lautst├Ąrke, die unertr├Ąglich war. Danach wurde es wieder Still, obwohl es z.B. die Arbeitssituation im Krankenhaus zeigt, dass es zu jeder Zeit n├Âtig w├Ąre, Kritik an weiteren Missst├Ąnden zu ├╝ben.

Gegenw├Ąrtig aber geht es den Volksvertretern mit sozialem Aush├Ąngeschild mehr um Politkarrieren und weniger um Menschen in Not. Aber weder der SPD-Bezirksvorsitzende, Detlef Kolde, noch die ├╝brigen Vorsitzenden der SPD-Ortsvereine greifen diese Thematik aktiv auf. Sie habe sie verschlafen. Passiv wird sich das zwar in den Wahlprogrammen zur Kommunalwahl 2021 widerspiegeln. Nur wer soll den Sozialdemokraten den Ernst der Papierwerte abnehmen? Die Situation ist traurig und absto├čend zugleich. Was wollen sie ihren potenziellen W├Ąhlern am Ende eigentlich erz├Ąhlen, wenn es um ihren aktiven Einsatz zum Thema soziale Gerechtigkeit geht? Aber wie das so ist: Eine Skandal-Thema wird sich vor der Wahl wohl noch finden lassen.

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(30)

Vielleicht wird es der gut funktionierende Personalskandal wie der von Adem Ortac im Jahr 2017, bei dem die Vorverurteilung medial zu Selbstdarstellungszwecken der sozialdemokratischen Provinzf├╝rsten missbraucht wurde. (31) Ortac flog 2017 aus der SPD mit dem Vorwand, ann├Ąhernd 3 Euro (!) Mitgliedbeitr├Ąge nicht bezahlt zu haben. Das rechtskr├Ąftige Gerichtsurteil wegen gewerbsm├Ą├čigen Betrugs wurde aber erst im Jahr 2019 gesprochen und fiel –den Erwartungen der Genossen zum Trotz- deutlich geringer als erhofft aus. Peinlich!

Vermutlich nicht rein zuf├Ąllig ├╝bernahm dann Jan O. H├Âffmann den Vorsitz der Cloppenburger SPD-Fraktion, wobei zwei Mitglieder diese anschlie├čend protestartig verlie├čen. Die nunmehr gerupfte SPD-Fraktion unterst├╝tzte –unter Federf├╝hrung ihres neuen Vorsitzenden- daraufhin die CDU. Die penetrante Art dieses spektakul├Ąren Polit-Gebarens wurde von Lokalpresse nicht weiter aufgegriffen! Zufall?

Aber der R├╝ckstand einer gr├╝ndlich misslungenen Oppositionsarbeit kann nachgeholt werden. Vielleicht bietet sich ein weiteres Polit-Mobbing a la ÔÇ×Elsen“ –├Ąhnlich wie im Jahr 2014- an. (32) Wenn sich diese Chance zur B├╝rgermeisterwahl 2021 ank├╝ndigt, sind dem ÔÇ×politischen Kanalbau“ keine Grenzen gesetzt. Die sozialdemokratische Hoffnung stirbt zuletzt. Dann aber auf einem sehr unterirdischen Niveau.

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Erinnert sei ebenfalls an das SPD-Mobbing an SPD-Ex-Oberb├╝rgermeister von Wilhelmshaven, Eberhard Menzel, dem Untreue in einem besonders schweren Fall vorgeworfen wurde. Wegen massivster Vorverurteilungen, auch durch die eigenen Genossen, ist er nach 47 Jahren aus der SPD ausgetreten. Zuvor war er 25 Jahre Oberb├╝rgermeister. Im Gegensatz zur Ortac wurde Menzel in letzter Instanz freigesprochen. (34) Eine Blamage f├╝r die ehemals krackelenden Sozialdemokraten, von denen sich viele voreilig und mit gro├čem Get├Âse von Menzel abgewendet hatten. Ortac und Menzel sind nur beispielhaft die triebhaften Markenzeichen, die typisch ist f├╝r die Sozialdemokraten sind. Es gibt weitere F├Ąlle dieser Art, im Gro├čen und im Kleinen, und die k├Ânnten B├╝cher f├╝llen. Daraus gelernt haben die Sozialdemokraten bis heute nichts!

Wenn Nils Anhuth nach st├Ąndiger Reflexion dar├╝ber, ob die SPD die richtige Partei f├╝r ihn sein, also noch bis 2019 SPD-Mitglied war, dann war er in einem innere Zwiespalt gefangen. Den hat er mit seinem Austritt abgelegt. Wenn zudem sein Umfeld wenig bis gar nicht reflektiert ├╝ber das, was sich eine Partei auf die Fahnen geschrieben hat, dann bleiben Missst├Ąnde nat├╝rlich unentdeckt und die Kritik l├Ąsst sich anstandslos auf Anhuth projizieren.

Letztlich hilft rigide Ignoranz dabei, dass der innere Wert der Treue unantastbar wird. Gleichzeitig aber tut sich ein innerer Widerspruch, der in Fachkreisen als psychische Inkoh├Ąrenz (35) bekannt ist. Kein Wunder, dass immer mehr Menschen mit diesem Problem belastet sind. Sie d├╝rfen sich gl├╝cklich f├╝hlen, wenn sie ihr Problem – der Unlogik der Zusammenh├Ąnge- selbst erkennen oder es mit fach├Ąrztlicher Hilfestellung bew├Ąltigen. Anhuth selbst wird eingesehen haben, dass diese Art der Treue, die stets mit einer fatalen L├╝ge einhergeht, vor allem politisch keinen Sinn macht und niemals die zerm├╝rbende Inkoh├Ąrenz beseitigen kann, die auch die ganze SPD in den Abgrund zieht. "Ich bin und bleibe Sozialdemokrat – mag aber kein Mitglied dieser Partei mehr sein". (36) Also: Hut ab vor dem, der sich keinesfalls f├╝r seine demonstrative Offenheit sch├Ąmen muss! Und erfindet Unterst├╝tzung durch weitere EX-Genossen (37), wobei sich eine lange Liste anschlie├čen lie├če.

Doch ein offener Widerspruch sollte nicht unter den Tisch fallen. Die CDU, bei der der B├╝rgermeisterkandidat, Nils Anhuth, nun die Unterst├╝tzung findet, ist der SPD mit ihrem Kurs der politischen Mitte nicht sonderlich verschieden. (38) Kurz: Das Etikett beider und weiterer Parteien hat nichts mehr mit den ausgewiesenen Grundwerten zu tun. Die SPD ist schon lange nicht mehr sozial, die CDU nicht mehr Christlich und die GR├ťNEN nicht mehr gr├╝n. So kommt es, dass die immer noch treuen W├Ąhler*innen der jeweiligen Parteien oft nur noch auf das zu w├Ąhlende Personal fixiert sind. Aktuelle Beispiele sind die Wahlerfolge des gr├╝nen Ministerpr├Ąsidenten von Baden-W├╝rttemberg, Winfried Kretschmann, und der sozialdemokratischen Ministerpr├Ąsidentin von Rheinland-Pfalz, Malu Deyer.

Die suggerierten Etikettierungen der Parteien lassen sich nicht durch eine Personalisierung ersetzen. Die Unlogik der Zusammenh├Ąnge, nach denen die W├Ąhler in Baden-W├╝rttemberg und Rheinland-Pfalz agiert haben, ist zu offensichtlich. Die angebliche Pflicht zur Treue kann die innere Koh├Ąrenz nur aus dem Gleichgewicht bringen. Diese Wahlerfolge garantieren auf Dauer keine nachhaltigen Gl├╝cksgef├╝hle!

Es bleibt also die Frage, warum orientiert sich Anhuth an einer Partei, der CDU, die inhaltlich nicht besser als die SPD aufgestellt ist? Im Interview mit B├╝rgermeister Nils Anhuth aber wurde dieser Widerspruch journalistisch nur oberfl├Ąchlich thematisiert. Ist die Antwort nur mit Anhuths Hinweis abgetan, dass die CDU (…) mit 15 Mitgliedern die Mehrheit im Rat stellt“? (39) MT, Nils Anhuth: ÔÇ×Umgang mit Respekt gepr├Ągt“, 22.03.21. Kann es auch sein, dass die Bar├čeler SPD schon f├╝h erkennen lie├č, den aus der SPD ausgetretenen B├╝rgermeister bei der n├Ąchsten Wahl nicht wieder zu unterst├╝tzen? Oder unterstellt Anhuth der CDU, unter Einbeziehung ihrer Gallionsfigur, Hans Eveslage, dem ehemaligen Landrat des Landkreises Cloppenburg CDU, m├Âglicherweise Werte wie Verl├Ąsslichkeit, Besonnenheit und Nachhaltigkeit, die Anhuth bei der SPD schon seit geraumer Zeit vermisst hatte? Der Leser erf├Ąhrt nichts dar├╝ber. Die federf├╝hrende Journalistin fragt erst gar nicht danach

Wer ist f├╝r diese journalistische Unprofessionalit├Ąt verantwortlich und sollte sich daf├╝r sch├Ąmen? Antwort: Keiner, denn das w├Ąre genauso ├╝bertrieben, wie es der misslungene Startschuss der Anmoderation ausdr├╝ckt! Kurzum: Anhuth h├Ątte den Widerspruch locker entkr├Ąften k├Ânnen. Zumindest explizit mit dem Hinweis, dass er der CDU nicht beigetreten ist. Bekanntlich geht er als neutraler Kandidat ins Rennen.

Dennoch wird (quasi) zwischen den Zeilen der Wechsel Anhuths zur CDU suggeriert. ├ťbertrieben? Nicht unbedingt! Und wie es die zuvor genannten Informationen zeigen, w├Ąre ihm der Beweis sicher nicht schwer gefallen. Anhuths pers├Ânliche Entscheidung, die Unterst├╝tzungsangebot der CDU anzunehmen, ist alternativlos und l├Âsungsorientiert zugleich. Da muss die Bar├čeler SPD wohl gepennt haben oder Anhuth hat so sp├Ąt nicht mehr auf ein SPD-Angebot gewartet. Peinlich!

Fest steht: Die CDU war schneller, w├Ąhrend die SPD eine eher ausgrenzende Abwehrhaltung gegen├╝ber Anhuth bevorzugte. Die aber f├╝hrte schlie├člich zu keiner L├Âsung. Fest steht auch: Wer zu sp├Ąt kommt, den bestraft das Leben. Anhuth muss sich nicht sch├Ąmen. Sch├Ąmen sollten sich andere.

Quellen

 

(01)   MT, Nils Anhuth: ÔÇ×Umgang mit Respekt gepr├Ągt“, 22.03.21.

(02)   MT, Headline, Nils Anhuth: ÔÇ×Umgang von Respekt gepr├Ągt“, 22.03.2021.

(03)   MT, Auszug, Nils Anhuth: ÔÇ×Umgang von Respekt gepr├Ągt“, 22.03.2021.

(04)   https://www.hermannbergmann.de/html/anhuth.html

(05)   https://www.hermannbergmann.de/html/bgm-elsen_.html

(06)   https://www.goettinger-tageblatt.de/Nachrichten/Panorama/CDU-in-Barssel-erneut-zur-Buergermeisterwahl-ohne-eigenen-Kandidaten

(07)   MT, Headline, B├╝rgermeister Anhuth tritt aus der SPD aus, 01.06.2019.

(08)   MT, Auszug, Julius H├Âffmann, MEINE MEINUNG, Fast alle sind entt├Ąuscht, 01.06.2019.

(09)   NWZ, Anhuth tritt aus der SPD aus, 01.06.2019.

(10)   MT, B├╝rgermeister Anhuth tritt aus der SPD aus, 01.06.2019.

(11)   https://de.wikipedia.org/wiki/Agenda_2010

(12)   https://www.finanztip.de/minijobs/#:~:text=In%20einem%20Minijob%20darfst%20Du,von%20der%20Rentenversicherungspflicht%20befreien%20lassen.

(13)   https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/schere-arm-reich-deutschland-studie-1.4891110

(14)   https://www.berliner-zeitung.de/die-bitteren-folgen-der-agenda-2010-li.61052

(15)   https://www.tagesschau.de/wirtschaft/lufthansa-rettungspaket-regierung-101.html 

(16)   https://rp-online.de/panorama/coronavirus/corona-ueberbrueckungshilfen-kommen-weiterhin-kaum-bei-unternehmen-an_aid-54420473

(17)   https://www.hubertus-heil.de/2020/01/01/diese-gesetze-treten-ab-dem-1-1-2020-in-kraft/

(18)   https://www.blaetter.de/ausgabe/2017/november/spd-der-absturz-einer-volkspartei

(19)   https://taz.de/Rennen-um-SPD-Vorsitz/!5636978

(20)   https://www.sueddeutsche.de/politik/prantls-blick-spd-existenzkrise-thierse-1.5227724

(21)   https://www.aerzteblatt.de/archiv/34876/Fallpauschalen-im-Krankenhaus-Das-Ende-der-Barmherzigkeit-der-Intransparenz

(22)   https://www.sueddeutsche.de/muenchen/personalmangel-spart-die-kliniken-nicht-kaputt-1.4564571

(23)   https://www.tagesspiegel.de/politik/recherchen-von-ard-kontraste-zu-fallpauschalen-schwerkranke-kinder-koennten-wegen-personalmangels-sterben/25226472.html

(24)   https://www.berliner-zeitung.de/gesundheit-oekologie/kliniken-werden-geschlossen-obwohl-das-gesundheitssystem-vor-dem-kollaps-steht-li.132283

(25)   https://pflegeethik-initiative.de/2019/11/18/krankenhaussterben-ein-weiteres-symptom-fehlgeleiteter-gesundheitspolitik/

(26)   https://www.nwzonline.de/plus-cloppenburg-kreis/cloppenburg-kreistag-gibt-fuenf-millionen-euro-extra-zuschuss-fuer-klinik-umbau-in-cloppenburg_a_50,7,3139704605.html

(27)   https://www.spiegel.de/panorama/pflegenotstand-warum-werden-pflegekraefte-so-schlecht-bezahlt-a-e90679c7-a71d-4d7f-974b-63ab1b0c1d21

(28)   https://www.deutschlandfunk.de/braucht-die-spd-eine-neue-definition-von-sozialer.694.de.html?dram:article_id=59016

(29)   https://www.nwzonline.de/cloppenburg/wirtschaft/cloppenburg-werkvertragsarbeiter-unterkuenfte-in-cloppenburg-keine-transparenz-bei-unterbringung_a_50,4,47040045.html

(30)   NWZ, Headline, SPD-Bezirk entzieht Ortac Mitgliedsrechte, 03.05.2017.

(31)   https://hermannbergmann.de/html/fall_ortac1.html

(32)   https://www.nwzonline.de/cloppenburg/politik/elsen-gibt-politische-aemter-auf-cdu-mann-schmeisst-nach-drohbrief-hin_a_15,0,520701262.html

(33)    NWZ, Headline, Neue Hoffnung nachlangem Gang durchs tiefe Tal, 24.03.2021.

(34)   https://www.nwzonline.de/plus-wilhelmshaven/wilhelmshaven-oldenburg-urteil-im-untreue-prozess-aufgehoben-warum-wilhelmshavens-ex-ob-menzel-wieder-an-den-rechtsstaat-glaubt_a_51,0,2414600161.html

(35)   https://de.wikipedia.org/wiki/Koh├Ąrenz_(Psychologie)

(36)   https://www.facebook.com/606099542869026/posts/ich-bin-und-bleibe-sozialdemokrat-mag-aber-kein-mitglied-dieser-partei-mehr-sein/1686331561512480/

(37)   https://marco-buelow.de/austritt-aus-der-spd/

(38)   https://www.news.at/a/politik-lexikon-7506218

(39)   MT, Nils Anhuth: ÔÇ×Umgang mit Respekt gepr├Ągt“, 22.03.21.

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