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04.04.2026
Osterbotschaft von Weihbischof Wilfried Theising
Neuanfang wagen!
Ostern ist das Fest der Auferstehung. So zumindest deuten es die christlichen Kirchen weltweit. Der „Glaube“ hilft vielen verbitterten Menschen, an bessere Zeiten zu „glauben“. Der Respekt gebietet es, den „Glauben“ dieser Menschen nicht in Zweifel zu ziehen. Schließlich bleibt die alleserklärende „Weltformel“, (01) nach der die Wissenschaft so intensiv forscht, nicht nur den christlich orientierten Menschen immer noch verborgen.
Die christlichen Kirchen in Deutschland sind in Misskredit geraten. Nicht nur durch die bekanntgewordenen Missbrauchsfälle, die aufgrund des Konkordats (02) in die Zuständigkeit der kirchlichen Rechtsprechung fallen. Andernfalls hätten bereits mehrfach die Handschellen geklickt. Der Misskredit begründet sich vielmehr in der Art und Weise, wie sich Kirche Tag für Tag als „seelsorgerische Institution“ verkauft. Diese liegt im Sterben. Zumindest insofern, als dass ihre Mitglieder in Scharen austreten, die Kirchen dadurch nicht nur leer bleiben, sondern auch massenweise dicht gemacht werden. Das aber aus ausschließlich wirtschaftlichen Gründen, wie die eigenständigen Finanzverwaltungen der Kirchen im deutschsprachigen Raum immer wieder betonen. (03)
In vielen Bereichen und gesellschaftlichen Schichten hat die Kirche ihr seelsorgerisches Label vollkommen verloren. eine einvernehmliche Kommunikation zwischen ihr und den Menschen will einfach nicht mehr klappen. Mit anderen Worten. Die christlichen Kirchen in Deutschland sind so gut wie tot und hoffen auf die Auferstehung ihrer selbst. Der Durchschnittsgläubige versteht ihre Worte und Formulierungen einfach nicht mehr. Deshalb müssen ihre Kirchenfürsten selbst an bessere Zeiten „glauben“. Zumindest wird nun auch Ostern 2026 zum Fest ihrer speziellen Hoffnung. Nämlich: „Ostern als Fest der eigenen Auferstehung“, wobei diese aber noch in weiter Ferne zu sein scheint. Diese frohe Botschaft vermittelt der für das Oldenburger Münsterland – Offizialat Vechta - zuständige Weihbischof Wilfried Theising (04) soeben zwischen den Zeilen. Eine Art Wunschdenken. Geschickt verklärt und für viele Menschen und ohne konkreten Bezug zur Realität. Wie aus einer anderen Welt eben.
Verpackt als unverbindliche Meta-Botschaft, die einen Reformwillen erst gar nicht erst erkennen lässt. In einer Sprache, die ein Appell an den verklärten Glauben ist, der volkstümlich stets als Hoffnung auf bessere Zeiten verstanden wird, auf die man aber nur warten kann. Das ist die verklausulierte Botschaft zu Ostern. Vor allem in Richtung der Synodalen. (05)
Eine Absage an die, die die „veraltete“ Lehre der Weltkirche nicht mögen. Einer Oster-Botschaft, an die sich auch der neue Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz und Bischof von Münster, Heiner Wilmer, (06) sofort anschließen würde. In Form einer ebenfalls verklausulierten Sprache, die – wie ein Halluzigen - alles und nichts Reales verspricht. Denn auch wird kein Retter der Synodalen sein. Vermittlung ja, Unterstützung nein!
Die Meta-Botschaft aller Kirchenmänner zusammen könnte in der konkretisierten Fassung somit heißen: „Gegen Gottes Willen, des allmächtigen und allwissenden, wird es niemals einen Neuanfang geben“! In Psalm 23,4 lautet das für die ständig Betreuten so: „Du Herr, bist ja bei mir; du schützt mich und führst mich, das macht mir Mut“. (07)
Theisings aktuelles Weltbild der Sünde stellt sich in der heutigen Ausgabe der Münsterländischen Tageszeitung wie folgt dar: „Die Konflikte im Nahen Osten wollen nicht enden, die Ukraine ringt um ihre Zukunft“. Theisings weltpolitische Analyse erweist sich als sehr eng gefasst und merkwürdig verschwommen. Eine Analyse, die sich auf das minimalistische Informationsprinzip beruft. Nichts exemplarisch konkretes, wie Namen, Fakten, Ursachenforschung, Auswirkungen oder völkerrechtliche Einordnung. Nein! Wenn es sich also um eine Botschaft an die „Gläubigen“ handelt, soll es keinesfalls darum gehen, die für Missstände Verantwortlichen mit Klarnamen zu benennen. Die maßgeblich Verantwortlichen werden an einer ganz anderen Stelle angeklagt. Offensichtlich soll genau das den Gläubigen verborgen bleiben. Hierzu später mehr!
Während die Ursachen sprachlich nebulös verfasst sind, heißt es zu den Folgewirkungen: „Viele Menschen spüren eine tiefe Verunsicherung. Nicht nur wegen der großen Weltpolitik, sondern auch in ihrem Alltag: Wird mein Arbeitsplatz sicher bleiben? Werde ich ausreichend Rente bekommen? Wie wird sich unsere Gesellschaft verändern? Worauf können wir uns überhaupt noch verlassen?“ (08)
Naja: Wenigstens sind zwei der Alltagssorgen konkret genannt: Die eine ist die um den Arbeitsplatz und die andere um die ausreichende Rente. Mehr nicht! Es sind zwar viele Menschen, die sich sorgen, aber nicht alle. Vorzugweise nicht diejenigen, die der Kirche in führenden Positionen vorangestellt sind und vom Staat bezahlt werden, wie gehobene Beamte mit A-Besoldung oder Oberbürgermeister von Großstädten mit B-Besoldung. (09) Und das auf Kosten der Steuerzahler selbst. Letztere sind mehrheitlich die, die eine tiefe Verunsicherung erfahren, die um Arbeitsplatz und Rente fürchten müssen. Denn die müssen nicht unerhebliche Summen an die Kirche selbst zahlen. Auf diese Unterstützung können sich die christlichen Kirchen auf jeden Fall verlassen. Zu den eher Einkommensschwachen gehören eben die „vielen Menschen“, zu denen der Kirchenmann Theising wohl kaum gehört, die er aber vorzugsweise als sorgenvolle Menschen auszeichnet. Wie eine konkrete Hilfe für diese aussehen könnte, teilt Theising den Lesern seiner Osterbotschaft allerdings nicht mit.
Nicht nur das: Die christlichen Kirchen sind unternehmerisch eingebunden in die „Freie Marktwirtschaft“. Eingebunden mit religiösem Etikett, in deren Rahmen Gesetze gelten, die Finanzstärke belohnt und deren Schwächen oft hart bestraft. (10) Dass es in diesem System viele Verlierer und nur wenige Gewinner gibt, ist nichts Neues. (11) Aber stets im christlichen Gewand aufzutreten, untergräbt das Vertrauen vieler gut informierter Bürger. Die üppigen Steuereinnahmen mit Hilfe des Staates (12) und die zusätzlichen Zuschüsse (13) im Millionenbereich sprechen nicht gerade für den vorwiegend christlichen Charakter der Kirchen. Wenn es um wirtschaftlich knallharte Interessen geht, kann auch mal Luzifer mit Gottes Stimme sprechen. Zwar sind die christlichen Kirchen in den Bereichen Soziales (Caritas), Bildung (Schulen, Universitäten, Fortbildungsstätten) und Gesundheit (Krankenhäuser, Reha-und Erholungs-Einrichtungen) erfolgreich engagiert, also in Bereichen, von denen die Gesellschaft sehr wohl profitiert, aber sie verlieren in diesen Bereichen niemals den marktwirtschaftlichen Profit aus den Augen, der mit exorbitanten Gewinnsteigerungen verbunden ist. U.a. durch üppige staatliche Zuschussgelder. Kurz: Zu verschenken haben die Kirchen hier nichts. Eher das Gegenteil: Alles läuft – und das ist das Markenzeichen des Kapitalismus – auf maximale Gewinnmaximierung hinaus. Und das vorwiegend steuerbefreit oder zumindest steuerbegünstigt! (14)
Darüber hinaus sind die Kirchen – im streng marktwirtschaftlichen Sinne – tätig in vielen anderen Geschäftsbereichen, die lauten: Vermietung von Wohnungsanlagen, Verpachtungen von Gewerbeflächen (u.a. im Rotlichtmilieu), Bankenwesen, Kapitalanlagen oder Investor-Tätigkeiten (u.a. im Bereich der Autoindustrie, z.B. Ferrari) und im Rüstungsbereich usw. (15) Erwähnenswert ist zudem das exorbitante Vermögen (Geld, Gold , Ländereien) der Kirchen im Milliardenbereich. (16) Nicht zuletzt auch durch den nicht steuerlich eingeschränkten Profit aus Erbschaften von erheblichen Ausmaßen.
In diesem Zusammenhang wirkt es nahezu grotesk, dass für den touristischen Besuch im Kölner Dom nun über einen Eintrittspreis debattiert wird. (17) Von wegen also: „Verkaufe alles was Du hast und gib es den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben“. (18) Es ist alles so verrückt, dass einem der gute Glaube daran fehlen sollte.
Aber außerhalb des religiösen Etiketts geht es noch eine weitere unternehmerische Einlassung der Kirchen. Das ist die bereits erwähnte im Rüstungsbereich, dessen Gewinne inzwischen durch die Decke gehen. Kein Wunder also, dass „viele Menschen (…) eine tiefe Verunsicherung [spüren]“. Spätestens jetzt sollte ein jeder verstanden haben, warum sich die christlichen Kirchen mit der aktuellen Politik solidarisch zeigen. Bekannt als „historische Allianz“ mit den Mächtigen. Das im Übrigen zu allen Zeiten. Verschwiegen die dunkle Seite der kirchlichen Vorbilder, die man keinesfalls verharmlosen sollte. (19) Vor allem die zu Zeiten des Nationalsozialismus. „Die Kirche (…) leistete keinen Widerstand“. (20)
Und heute? Dasselbe! Mit hanebüchenden Verrenkungen der kirchlichen Lehren. Als Anklage gegen einen bekannten, aber unbenannten Feind. Mit Erklärungen wie z.B. die der Konferenz der katholischen Bischöfe am 10. März 2022, zu der Theising auch gehört: „Wir betrachten Rüstungslieferungen in die Ukraine (…) als grundsätzlich legitim.“ Die grundlegende Parole dazu heißt: "Der Stärke des Rechts dienen" (21)Inhaltlich mit dem ständigen Hinweis auf Frieden! Von dem eigenen Profit somit keine Rede.
Die evangelische Kirche setzt mit ihrem Positionspapier „Grünes Licht für Kriegstüchtigkeit“ noch einen oben drauf. Mit pedantischer Korrektur des Friedensbegriffs zum „gerechten Frieden“, durch den sich diese Kirche vom christlichen Pazifismus nun endgültig distanziert. Etikettiert mit frommen Worten und theologischer Raffinessen on mass. Positioniert als Steigbügelhalter des vorherrschenden Konfrontations- und Aufrüstungspolitik. Auf 150 Seiten, die den Namen „Jesus Christus nur siebenmal nennen. (22) Sich dann aber darüber beschweren, dass der Begriff Jesus nur fünfmal im curricularen Entwurf des grün geführten Kultusministeriums von Niedersachsen behandelt wird, zeugt von einem zusammenhanglosen Durcheinander eines kirchlichen Weltbildes, (23) dem die verantwortlichen Kirchenjünger in substanzloser Manier verfallen sind.
Nicht zu vergessen bleibt, dass der vor nicht allzu langer Zeit verstorbene Papst Franziskus im Sinne der christlichen Lehre Aufrüstung und Waffenlieferungen lange Zeit hatte verurteilt hat. Genau das sollte der grundlegende Maßstab der christlichen Kirchen überhaupt sein. Franziskus nannte die Waffenschmieden eine „Industrie des Todes“ und machte sie für viele Kriege verantwortlich. Eine Kritik, die den christlichen Kirchen besser stünde! Zuletzt erntet Franzikus heftige Kritik, als er den „Mut für Friedensverhandlungen mit Russland“ einforderte. (24)
Vielleicht aber sollte man Theisings Osterbotschaft nicht ganz so kritisch betrachten. Denn auch ist ein „Kind seiner Zeit“. In seiner jetzigen Position hat er eine konforme – aber fragwürdige - Rolle zu wahren. Nämliche die Institution Kirche ausschließlich im Gewand eines Geistlichen und keines in dem eines Unternehmers, Bankmanagers oder Waffenlieferants, nach außen zu vertreten.
Doch tief im Inneren seiner Botschaft scheint eine Erkenntnis verborgen zu sein, die der Leser leicht übersehen kann: Theising spricht von „Realität“, die er zwar nur exemplarisch kraftlos darstellt, vor der man aber – wie er sagt - mit Gottes Hilfe nicht flüchten sollte. Vor einer Realität, die permanente Widersprüche offenbart. Gestärkt durch Kraft, die „Gott uns schenken will“. Ein Geschenk, auf das möglicherweise auch Theising selbst zu warten scheint. Ein Hilferuf?
Weiter heißt es mutmaßlich auch an sich gerichtet: „Öffnen wir die verschlossenen Türen unserer Ängste, (…) Friede sei mit euch. Fürchtet euch nicht. Die Welt mag wanken, aber der Grund, auf dem wir stehen, trägt“.
Wahrlich weise Worte, deren Umsetzung aber noch aussteht. Warum also noch warten, wo doch der Glaube einen festen Grund bietet, der Realität endlich ins Auge zu schauen, mit der Kraft, die „Gott uns schenken will“. Jeder, der bei Verstand ist, kann dazu beitragen. Diesmal aber mit klaren und ehrlichen Worten. Ohne Umschweife. Kirche sollte endlich zu der werden, für die sie sich immer wieder ausgibt. Zu einer abgespeckten und damit unabhängigen laizistischen Institution, die mit Mut Menschen in der Not beisteht und ihnen echte Hoffnung gibt. Vorbildlich nicht nur durch unmissverständliche Worte, sondern auch durch überzeugende Taten. Dann wäre der eklatante Mitgliederschwund der Schnee von gestern.
Fangen wird doch endlich selbst an, die Vernunft mit viel Mut in den Vordergrund zu stellen, um all die Widersprüche auszukehren, die uns das Leben nur schwer machen. Keiner – auch Theising selbst - müsste auf die christlichen Kirchen in Deutschland warten.
Werdet endlich Eure eigene Kirche!
(01) https://www.spektrum.de/news/weltformel-wie-lautet-die-theorie-die-alles-erklaert/2176329
(02) https://www.dbk.de/themen/kirche-staat-und-recht/konkordate-und-kirchenvertraege
(03) https://wissenschafts-thurm.de/uberangebot-an-kirchengebauden/
(04) https://de.wikipedia.org/wiki/Wilfried_Theising
(05) https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/katholische-kirche-synodaler-weg-104.html
(06) https://katholisch.de/artikel/67854-heiner-wilmer-neuer-bischof-muenster
(07) https://www.die-bibel.de/bibel/GNB/PSA.23
(08) MT, Gästebuch: Osterbotschaft von Weihbischof Wilfried Theising, Neuanfang wagen!, 04.04.2026.
(09) https://katholisch.de/artikel/31678-wie-bischoefe-in-deutschland-bezahlt-werden
(10) https://www.deutschlandfunk.de/die-kirche-als-unternehmen-wirtschaftsbetriebe-mit-100.html
(11) https://www.zeit.de/wirtschaft/2025-06/millionaere-einkommen-deutschland-statistik-einkommen-reiche
(12) https://www.iwkoeln.de/presse/iw-nachrichten/tobias-hentze-kirchen-nehmen-immer-weniger-steuern-ein.html
(13) https://www.deutschlandfunkkultur.de/kirche-finanzierung-staatsleistungen-100.html
(14) https://www.kirchenfinanzen.de/kirchensteuer/steuerbefreiungen.html
(15) Reschke Fernsehen: Dein Reichtum komme: Der Konzern Kirche - hier anschauen
(16) https://www.youtube.com/watch?v=S9zPkWBUtJs
(17) https://www.infranken.de/deutschland/ausflug/koelner-dom-fuehrt-eintritt-ein-touristen-besichtigungsgebuehr-unterhaltskosten-unesco-weltkulturerbe-art-6326957
(18) https://www.bibleserver.com/de/verse/Matth¦us19%2C21
(19) MT, „Er war den Nazis eine Dorn im Auge“, 21.03.2026.
(20) https://www.zeitklicks.de/nationalsozialismus/politik/frag-doch-mal/was-tut-die-katholische-kirche-gegen-hitler
(21) https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/bischofskonferenz-krieg-frieden-100.html
(22) https://www.globale-gleichheit.de/positionspapier-der-evangelischen-kirche-gruenes-licht-fuer-kriegstuechtigkeit/
(23) https://rundblick-niedersachsen.de/religionsunterricht-ohne-jesus
(24) https://www.tagesschau.de/ausland/europa/papst-ukraine-krieg-102.html
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