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Parteien zur Wahl

Impressionen zur Berichterstattung

Die Chamäleon-Masche

HFB-26-09-12

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Die Münsterländische Tageszeitung - ihres Zeichens „ÜBERPARTEILICH CHRISTLICH UNABHÄNGIG” - ist mittlerweile zu einer SPD-Nachrichtenquelle geworden, die die Genossen in Ehren hält und nicht nur die AfD in den Abgrund schreibt. Letzteres tagein, tagaus und geschickt zwischen den Zeilen, oft auch als unpolitische Berichterstattung geframt. Wer seine Botschaften unbedingt unters Volk bringen will, wird die Meta-Formalie beherrschen müssen. Nach dem Motto: Was wollt ihr denn? Das Thema hat doch keinen politischen Bezug! Das mag nur vordergründig stimmen. Denn mindestens der personelle oder institutionelle Bezug ist offenkundig politisch. Präsentiert werden namentlich politische Zusammenhänge, wobei der Rahmen die Verpackung darstellt. Mal ist der Rahmen politisch, kurz vor der Wahl dann überraschend persönlich. Doch die Botschaft bleibt stets der Name selbst, der Person oder der Institution. Im zeitlichen Zusammenhang kurz vor der Kommunalwahl ist das nichts anderes als geframte Wahlwerbung.

Hierbei handelt es sich um eine journalistische Aufmachung, indem eine Person, eine Gruppe oder ein Sachverhalt in einen bestimmten, oft fernen Deutungsrahmen erscheint. Dieses Framing steuert dann bewusst die Wahrnehmung und Meinung der Leser, vor der sich nur die besonders gut Informierten dieser Gruppe schützen können.

So wurden nur wenige Tage vor der Niedersächsischen Kommunalwahl zu einen Persönlichkeiten der SPD in höchsten Tönen hervorgehoben, z.T. in Eigendarstellung als Experten, zum anderen das AfD-Bashing durch eine Reihe von Kommentaren und Berichten besonders gepflegt. Zugleich in eigenartiger sukzessiver Zusammenstellung. Also beabsichtigt und weniger unbeabsichtigt. Bleint die frage nach der Motivation diesen schrägen Stils. Möglicher Grund sind private und staatliche Fördermittel. Das zur Rettung der Demokratie, heißt es. Sie sind offensichtlich die Treiber. Hier ein Auswahl:

 

10.09.26: Drei Tage vor der Kommunalwahl

# So berichtet Folco Mohrs, aktuell SPD-Minister für Wissenschaft und Kultur in Niedersachsen über seine Erfahrungen mit Nebenverdiensten während seines Studiums. Er hält „Arbeit neben dem Studium ist problematisch“. In der Aktuellen Wahlwoche ist dieses Thema eher nebensächlich. Die Botschaft lautet vielmehr „SPD“. Zig andere Prominente wären ebenfalls bereit gewesen, über ihre Nebenverdienste in der Studienzeit zu berichten. Was hätte z.B. ein Prof. Dr. Beeken dazu zu sagen gehabt? Würde aber nicht passen, da er CDU-Mitglied ist.

 

11.09.26: Vorletzter Tag vor der Kommunalwahl

# „Klarheit der Kirchen tut gut“, heißt es in einem Meinungskommentar und kommt auf den Punkt: „AfD stellt Grundwerte infrage“. Gegen wen das gerichtet ist, ist nun namentlich benannt. Nach Relativierung der Missbrauchsskandale ist nun alles äußerst glaubwürdig, was die Kirche-Oberen Deutschlands zu diesem Thema von sich geben. Nicht erwähnt die Gegner dieser Ausgrenzung: Kardinal Müller, ehemals Mitglied der Glaubenskongregation im Vatikan. Müller erinnert daran, dass die Apostel und ihre Nachfolger im Bischofs- und Priesteramt von Jesus eingesetzt sind um (…) allen Menschen das Evangelium (...) zu verkünden, die Sünder zur Umkehr zu berufen und ihnen in der Taufe und den anderen Sakramenten das neue Leben in Gottes Gnade zu vermitteln.“

Genau diese Klarheit scheint also so weh zu tun, dass man sie gar nicht erst nennt. Auch wenn es sich um eine Meinung handelt: Seriöse Ausgewogenheit sieht anders aus. Möglicherweise gehörte der soeben ausgeschiedene Bischof Timmerevers von Dresden-Meißen auch zu den Anhängern des Kardinal Müller und wurde in seinem Amt zwischen den verschiedenen Meinungen aufgerieben.

 

# Am selben Tag die Glaskugelbehauptung, „Schwerin: SPD holt in Umfrage auf.“ Wer sonst noch aufholt oder absteigt bleibt unerwähnt. Klar ist wiederum die Kernbotschaft: Sie heißt „SPD“, die nun wieder mit gutem Gewissen wählbar ist. Ob sie weiter regieren kann, bleibt trotz des positiven Umfrageergebnisses aber unklar.

 

# Sogleich geht es weiter mit dem Hinweis von einem „Frontalangriff im Landtag“. Fordert doch die CDU Rückzug von Kultusministerin Hamburg: „Hat im VW-Aufsichtsrat nichts verloren“, heißt es frech. Dass VW-Manager genau das bereits vor vier Jahren aufgrund mangelnder beruflicher Abschüsse Hamburgs gefordert hatten, bleibt natürlich unerwähnt. Die Botschaft heißt: Die CDU zeigt hier mangelndes Fingerspitzengefühl und ist frech zugleich. Dass es um rein wirtschaftliche Belange geht, denen Hamburg womöglich nicht gewachsen scheint, bleibt vollkommen unterbelichtet.

 

12.09.26: Letzter Tag vor der Kommunalwahl

# Es wird von einer Cloppenburger „Demo im Stadtpark gegen die AfD“ berichtet. Dort demonstrierten Omas gegen Rechts gegen den Wahlausgang in Sachsen-Anhalt, bei dem die AfD als klarere Siegerin hervorging. Die Botschaft heißt: Sollte die AfD im Landkreis Cloppenburg gut abschneiden, bekommt sie es mit den „Omas gegen rechts“ zu tun. Vielleicht seien dann auch „Opas gegen rechts“ dabei. Das schreckt nun wirklich ab. Bitte nicht rechts wählen.

 

# Und rein zufällig darunter der Meinungskommentar mit dem Hinweis: „Wählen Sie! Auch wenn manche Kandidaten leider durchfallen“. Bekanntermaßen tritt die AfD mit sechs Kandidaten für den Cloppenburger Stadtrat an. Darüber hinaus gibt eine AfD-Kandidatur für den Landratsposten im Landkreis Cloppenburg. Die mögliche Meta-Botschaft der beiden kombinierten Artikel lautet: Wählen Sie bloß nicht diese. Sie werden voraussichtlich mit Ihrer Stimme und Ihren Kandidaten durchfallen. Genau diese Art von politischen Botschaften verkaufen Presse, Rundfunk und vielen andere Medien jeden Tag und vermitteln der AfD noch mehr Zustimmung.

 

# Im Meinungskommentar, Merz habe - nachdem er in die AfD-Falle getappt sei - fälschlicherweise vom AfD-Anliegen der „ethnischen Säuberung“ gesprochen, werden Ursache und Wirkung vertauscht. Ok, der Leser hat verstanden: Nicht Merz trägt die Verantwortung für seine Aussage, sondern die AfD. Wer auch sonst! Diese Meldung hat aber einen Haken: Die Brandmauer, um die es hier letztendlich geht, hat ihren Ursprung in der SPD. Von da kommt die Kreation dieser Falle, in die Merz in seiner Bundestagsrede geraten ist. Genau das ist die „Schockierende Wahrheit“. Aus dieser Falle herauszukommen, werden er und seine CDU wohl nicht mehr schaffen.

 

# Zuletzt vorgestellt der Trick, Wahlwerbung im Stile der Chamäleon-Masche zu betreiben. Zunächst als Politiker, danach als ehrbarer Geschäftsmann: Stadtratskandidat und Experte - voraussichtlich wiederum Landtagskandidat 2027 - Jan Oskar Höffmann schreibt selbst über „Probleme mit Feuchtigkeit und Schimmel”. Die Botschaft heißt Jan Oskar Höffmann! Dennoch Hand über das entlarvende Negativum. Nichtsdestotrotz: Dieses Eigentor sollte passen, denn das erklärte Problem ist auch ein politisches. 2027 muss es denn endlich klappen mit der Kandidatur für den Niedersächsischen Landtag, obwohl der niedersächsische SPD-Zustimmungswert seit 2022 um 22 Prozent gefallen ist. Schließlich ist die SPD maßgeblich mitverantwortlich für den Niedergang der deutschen Wirtschaft. Somit scheint es Bonuspunkte für potenzielle Kandidaten zu bringen, wenn zumindest die SPD-Landtagselite oder einer seiner Vertreter durch positive Berichterstattung wohl gestimmt bleibt. Also schon mal einen freundlichen Gruß an Falco Mohrs: Ein Nebenjob stört das Studieren! Aber nur dann, wenn die Eltern wohlhabend genug sind.

 

Das entlarvende Moment

Von Werbe-Experten ist bekannt, dass Botschaften der Presse originell verpackt sein müssen, um im Unterbewusstsein des Adressaten anzukommen und dort hängen zubleiben. Genau das scheint mit den exemplarisch aufgeführten Presseberichten beabsichtigt zu sein. Das Timing unmittelbarst vor der Kommunalwahl ist das entlarvende Moment. Es sollte nicht nur die AfD treffen, sondern auch die CDU. Die herabwürdigende Wortwahl in Kombination mit unterstellter Unglaubwürdig ist hierbei eines der gängigen Mittel, um die Begünstigten im hellstmöglichen Lichte erstrahlen zu lassen. Erfahrungsgemäß wird es die AfD danken und ihren Höhenflug weiter fortsetzen. Je nach Wahllokal und örtlicher Einflusszone flach oder stark steigend. Zuletzt exponentiell. Mit Dank an die jeweilige Ortspresse!

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