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Wahlkampf

 

„Parteien lügen nicht!“

 

Was Plakatsprüche wirklich bedeuten

HFB 26-08-27

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Massig Plakate in Cloppenburg an den Straßenrändern, Abbiegungen, Kreuzungen und Laternen. Große und Kleine. Schöne Portrait-Bilder gibt es nämlich auch. X-mal durch den KI-Schredder. Nun mit lächelndem Ausdruck. Solange bis es mit allzu bekannten Merkmalen übereinstimmt. Gefühlt können es die von „Aphrodite - stark wie Herkules“ oder „Batman - The Dark Knight“ sein. Je nach eigenem Idealbild. Ein Markenzeichen vieler, die sich aktuell in der Öffentlichkeit präsentieren.

Mit oft obskuren Botschaften einer weit verbreiteten Laienbewegung. Im Stil des Slogans. Einfach und kurz. Auf Basis der allzu offenen Bedeutung. Der Intelligenz des Bürgers zu Nichts verpflichtend. Wer will, möge die Glaskugel schwenken und das Nirwana einfordern. Er wird die Wahrheit schon irgendwie finden, wenn er nur die Metabotschaft eines jeden Plakats akzeptiert. Die heißt unangefochten: „Parteien lügen nicht!“, auch wenn auf Bundesebene die Wahrheit eine ganz andere ist.

Hinter die Kulissen geschaut, bleibt von vielen der angeblich schlauen Sprüche wenig übrig. Die substanzielle Grundlage ist machmal teffend oder grenzwertig, oft aber verdreht und wenig realistisch. Das macht aber nichts: Der Bürger soll sich wohlfühlen in dieser Traumwelt. Dass man ihn zugleich nicht ernst nimmt, darf er natürlich nicht merken.

Hier einige Beispiele frisch von der Laterne mit weiterführenden Erläuterungen:

 

 

Wk-Fuer-buergernahe-Plotoik-26-01

Bürgernahe Politik

Das ist der platteste Spruch überhaupt. Verwendet von fast allen Parteien. Was Bürgernah ist, bestimmt die Gesinnung. Die nämlich sucht sich ein nahes Umfeld im Mikrobereich seinesgleichens und erfüllt allein damit schon diesen Anspruch zu genüge. Ein kleines Umfeld macht es möglich und überzeugt sogleich. Der zeitlich vorgegebene Fulltimejob wird niemals die Anforderung an ddie 40-Stunden erfüllen. Der Weg von der Idee zur Formulierung des „plattesten Spruchs überhaupt“ mit den dazugehörigen Wahlvorbereitungen dürfte genau ein einziges Mal mehr Zeit in Anspruch genommen haben.

 

Wk-Bezahlbares Wohnen-26-01

Wir setzen uns ein für bezahlbares Wohnen

Richtig! Wohnen muss billiger werden. Schon jetzt kann sich ein Großteil der Bevölkerung die Mieten nicht mehr leisten. Aber: Wer setzt sich für bezahlbares Wohnen denn ein? Die Politik nicht wirklich, auch wenn sie diese Forderung immer wieder in den Mittelpunkt stellt. Es bleibt bei Mitzuschüssen für einkommensschwache Familien. An dem System ändert sich nicht wirklich etwas. Das sind auch die Unkenrufe nach Enteignungen nicht förderlich. Die etablierten Parteien Union, SPD, Grüne so wie FDP haben in den vergangenen Jahren immer wieder die freie Marktwirtschaft gepredigt. Mit dieser wird die Privatisierung a la Agenda 2010 in den Mittelpunkt gestellt und diese Marktwirtschaft schlägt erbarmungslos zu. Diese kennt nur wenige Gewinner und viele Verlierer. Das soll auch so bleiben. In einem System, welches bestrebt ist, im Rahmen der EU-Erweiterung noch mehr Länder diesem Geld-System zuzuführen. Wer immer noch glaubt, die momentan regierende Parteienlandschaft würde eines besseren belehrt, der sollte sich umorientieren.

 

Wk-Bock-auf-Cloppenburg-26-01

Gemeinsam Bock auf Cloppenburg

„Bock“ war das Jugendwort, welches in den 1970 und 1980 durch die Jugendsprache geprägt wurde. Häufig als kritisch-verachtende Äußerung des politischen Systems der 68-Bewegung. Oft in der Form „keinen Bock haben“ auf eine verstaubte und prüde Gesellschaft, die durch und durch mit Zwängen behaftet war. Als Ausdruck eines unwilligen und störrischen Verhaltens und eines offenen Protests, mit dem eine tolerantere Gesellschaft eingefordert wurde. Signalisiert in Form der „Null-Bock-Generation“. Der Ausdruck „Bock“ soll angeblich vom Romani-Begriff bokh abstammen, welcher für „Hunger“. Somit heißt es „Bock auf etwas haben“. Im übertragenen Sinn ist ein emotionaler Motivationsschub gemeint, mit denen irgendwelche Dinge angegangen werden, um etwas zu verbessern, voranzubringen oder zu entwickeln. Ob die Ziele dann fachlich qualifiziert in Augenschein genommen werden, bleibt offen, da die emotionale Komponente überwiegt. Nicht zuletzt der Bock auf das Gemeinsame verlangt am Ende die Auflösung der Parteigrenzen. So geschehen im letzten Semester im Cloppenburger Rathaus. Das Ergebnis: Gemeinsam brauchen wir nur einen einzigen Bürgermeisterkandidaten, der zur Wahl 2026 antritt.

 

Wk-Kein-Faschismus-26-01

Kein Fußbreit dem Faschismus

Hier drück sich einer der zentralen Anliegen der AntiFa aus. Rückblickend in die Vergangenheit, vorausschauend in die Zukunft, um mitzuteilen, dass sich Geschichte im Verhältnis „eins zu eins“ wiederholen kann. Quasi als Stillstand zwischen Vergangenheit und Zukunft. Nur mit einer jeweils anderen Population. Möge dieser Ansatz der Logik der Sozialwissenschaften widersprechen, so argumentiert die AntiFa dennoch mit Parallelen zur Zeitgeschichte, wobei eine der vielen die Ausgrenzung ist. Ein einzelnes Element stellt bekanntermaßen nicht das Ganze dar, genauso wie die Summe aller Elemente niemals das Ganze ohne Beziehungsgeflecht sein kann. Was genau mit diesem Slogan – übersetzt: „Nie wieder zurück in die Vergangenheit“ - gemeint ist, bleibt der Öffentlichkeit ohne die ehrliche Offenlegung der richtungsweisenden Gesinnung unklar.

 

Wk-Mach-s-gruen-26-01

Die Zukunft liegt in unserer Natur- MACHT´S GRÜN

Ausschließlich die voranschreitende Zeit führt in die Zukunft. Zukunft lässt sich planen mithilfe von Handlungsoptionen, um sie letztendlich gestalten zu können. Wohin die Reise geht, ist hier deutlich ausgedrückt. Gespickt mit der Option „MACH´S GRÜN“ natürlich ins „Grüne“. Was das im Endeffekt heißt, haben die Bürger bereits mit der Roten Karte abgestimmt. „Unsere Natur“ ist somit die neue Grundlage, die Bürgerwillen und Wohlstand missachtet. Letztere müssen nicht gegen die Natur sprechen, aber „Unsere Natur“ wird jüngst immer weniger akzeptiert.

 

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AUS LIEBE ZUM WIR

Wenn „uns“ als übergeordnete Botschaft zu verstehen ist, dann die das „wir“ nicht fern. Beides zusammen meint nicht das „euch“, denn das ist nicht das „wir“. Logisch! Die Botschaft aber ist klar. Wer nicht zum „wir“ gehört“ ist „euch“ und bleibt außen vor! Außen Vorbleiben betitelt die christliche Kirche mit „ungläubig“ oder „exkommuniziert“, die Politik mit als „alternativ“ oder z. B. „Nazi“. Also: Alles was nicht passt, sachte ausgedrückt durch das „euch“, alles was passt durch das „wir“. Genau das ist die übergeordnet und selbstverliebte Botschaft der Rechthaber.

 

Wk-Energie-fuer-die-Wirtschaft-26-01

Neue Energie für die Wirtschaft

Eine florierende Wirtschaft ohne ausreichend viel Energie ist nicht möglich. Erneuerbare Energien spielen hierbei eine große Rolle und tragen dazu bei, das Klima zu schützen. Wenn Sonne und Wind ausreichend zur Verfügung stehen, funktioniert das gut. Doch Sonne und Wind spielen nicht immer mit und Energieflauten lassen sporadisch nicht lange auf sich warten. Da man viele Kraftwerke vorzeitig stillgelegt hat, gibt es zunehmend Situationen, die den Strom knapp werden lassen. Wer sagt, die Stromtrassen seien in ihren Liefermöglichkeiten beschränkt, hat Recht. Doch die Lieferengpässe sind die Folge von der Stillegung ortsnaher Kraftwerke, besonders im Süden Deutschlands. Bei alledem ist es so, dass Nord Stream II gesprengt wurde, Deutschland die billige Energie Russlands nicht mehr akzeptieren will und der Energiehandel mit den USA nunmehr den vierfachen Preis einfordert. Zudem ist der Bereich der Geschäftsbereich der Erneuerbaren so dermaßen hoch subventioniert, dass er sich nach Maßgabe der freien Marktwirtschaft niemals selbst tragen könnte. Der Slogan müsste also korrekt heißen: Preisgünstige Energie für die Wirtschaft, um Deindustrialisierung und Inflation zu stoppen!

 

Wk-Kluge-Koepfe-26-01

Kluge Köpfe sind unsere Zukunft

Das ist richtig und eine Binsenweisheit des wirtschaftlichen Erfolges. Klug ist nicht derjenige, der so etwas sagt, sondern derjenige, der diese „klugen Köpfe“ generiert. Wohlwissend, dass gut Noten und hohe Bildungsabschlüsse kein Maßstab mehr sind, die die Wirtschaft begeistern könnten. Wohlwissend, dass unser Bildungssystem am Ende ist. Wohlwissend, dass ein reformiertes Schulgesetz noch weiter in den Keller führt. Wer eine wirkliche Bildungsreform vorantreiben möchte, weiß, dass damit keine Wahlen zu gewinnen sind. Somit bleibt es bei einer suggestiven Zustandsbeschreibung ohne Handlungsoption. Bei einem „Weiter-so“ bis zum wirtschaftlichen Abgrund, der nicht mehr fern ist!

 

Wk-Geld-fuer-Schulen-anstatt-fuer-Waffen-26-01

GELD FÜR SCHULEN STATT FÜR WAFFEN

Schulden für Waffen, für Aufrüstung und letztendlich Krieg. Das ist die politisch treibende Kraft der heutigen Zeit. Stattdessen Geld für Schulen, für Bildung? Nein danke! Was man letztendlich nicht unbedingt braucht, sind gebildete Soldaten, die Zusammenhänge hinterfragen und die angebliche Verteidigung der Demokratie anzweifeln. Zu Verteidigung freigegen sind stets Monetär- und Sachwerte für nur wenige Profiteure. Die Geschichte lehrt genau das und vergisst nicht, die Motivations-Trojaner zu nennen, die heute von Jugendoffizieren in den Schulen so in den Mittelpunkt gestellt werden. Auch das ist Bildung. Wenn auch eine eher tödliche. Denn die Brücken sind bereits saniert. Für das Aufmarschgebiet BRD, für Panzer und für den Kriegsfall. Noch Fragen?

 

Wk-Wir verbessern Cloppenburg-26-01

Wir verbessern Cloppenburg

Cloppenburg verbessern, das ist doch mal was. Und wer macht das? Das „wir“ natürlich. Warum das alles? Weil es Cloppenburg schlecht geht. Und wer das sagte, sollte nicht zu lange in der Cloppenburger Politik mitgemischt haben. Vielleicht ist es das, was Cloppenburg so schlecht gemacht hat, dass es „verbessert“ werden muss. Was aber genau „verbessert“ werden soll, bleibt im Dunkeln. Möge dem Autor dieses Slogans nach der Wahl klar werden, was das wirkliche Problem ist!

 

Wk-Damit-es-gut-bleibt-26-01

DAMIT ES GUT BLEIBT

Wenn alles gut ist, gibt es auch nichts zu verbessern. Aber vielleicht ist auch gemeint, das „Gute“ zum „sehr Guten“ zu transformieren. Dann nämlich bräuchte es keine Politik mehr, die das „Bleiben des Guten“ garantiert. Der Selbsterhaltungsprozess, von dem hier mittelbar die Rede ist, braucht demnach keine Regulierung, weil alles „gut bleibt“. Es sei denn, es kommt einer, der alles „schlecht“ macht. Wer sollte das sein, was wären seine Motive und wohin könnte das führen? Vielleicht dahin, dass „es gut bleibt“! Zum Zweck, „damit alles gut bleibt“. Schwindel, verschone mir!

 

Wk-Gefaehrlich-Ehrlich-26-01

Gefährlich ehrlich

Achtung, hier spricht der James Bond der Politik. „Ehrlich“ währt am längsten und die Toten weinen nicht. „Ehrlich“ in der Welt der Lügen. Das wäre wie ein Abenteuer in einem Haifischbecken. Bekanntermaßen „gefährlich“ für den, der alleine darin schwimmt. Doch wie ist es umgekehrt, wenn zu viel Wahrheit im Becken der Lügen allmählich den Takt angibt? Genau! Dann nämlich wird die Ehrlichkeit zur Gefahr für die Lügen. Was aber, wenn die Lüge zur Wahrheit wird? Dann sollte alles klar sein in einer Welt, die nicht noch mehr Ehrlichkeit mehr braucht! „Gefährlich“ war also gestern und nun ist alles in Ordnung!

 

Wk-Freiheit-Wohlstand-Sicherheit-26-01

FREIHEIT WOHLSTAND SICHERHEIT

Wohl wahr! Darauf sollte man achten und sich ggf. dafür einsetzen. Freiheit, die durch Kameraüberwachung unter Aushebelung von Persönlichkeitsrechten, durch Missachtung der Privatsphäre und einen Generalverdacht im Dauerzustand garantiert wird, ist keine. Anstatt die Ursachen zu ermitteln, werden Symptome bekämpft. Angeblich zur Wahrung des Sicherheitsbedürfnisses, welches immer wieder instrumentalisiert wird. In der Mitte eingequetscht der Wohlstand, der unter diesen Bedingungen nur wenig Entfaltungsmöglichkeiten in sich birgt. Wer dieses Konglomerat in den Griff bekommen will, braucht einen langen Atem.

 

Wk-Scheiss-Verein-26-01

Scheißverein

Ja auch das ist ein politisches Werbeplakat. Wenn auch eines der besonderen Form als Aufkleber. Eigentlich nicht beachtenswert, da es herabwürdigend ist und auch nicht dem Plakatierungsabkommen zwischen der Stadt Cloppenburg und seinen politischen Parteien entspricht. Es “ziert” ein öffentliches Straßenschild, was rechtlich zu beanstanden ist. Naheliegend ist allerdings, dass dieser Aufkleber von einer politischen Partei finanziert wurde. Über diesen Skandal hinaus, verrät es viel über den Umgang des Urhebers mit anderen Meinungen.

 

 

Was nun bleibt, ist abzuwarten

Mit dieser unvollständigen Auswahl an Plakatsprüchen soll verdeutlich werden, wie wenig Substanz so manches Plakatgeplänkel doch hat. Zufällig oder geplant und bezahlt von denjenigen, die vor Ort die federführenden Parteien mit Verantwortung vertreten. Die nicht merken wollen, was die bittere Realität ist und auf was die Republik zusteuert. Man muss sich fragen, in welcher Welt der Großteil der Kandidaten denn lebt.

Dennoch: Wer die Szene kritisch betrachtet, sollte wählen gehen. Auch wenn für den einen oder anderen nichts dabei ist, was er wählen kann, wäre ein Kompromiss demokratiefördernd. Jede Stimme zählt. Nichtwahl ist zwar auch ein Votum, doch das findet keine Gewichtung im deutschen Wahlsystem. Alle diese Stimmen sind verlorene, wie auch die, die für nichtgewählte Parteien oder Kandidaten abgegeben wurden. Man spricht von einer Repräsentationslücke, wobei es allen Gewählten obliegt, diese durch die konkordanzdemokratische Sichtweise zu kompensieren. Das verlangt die herausfordernde Bereitschaft aller Verantwortlichen, mal über den eigenen Schatten zu springen. Ob das endlich gelingt, bleibt abzuwarten.

Bilder: BERGMANN